Berichte von 02/2016

Montag, 29.02.2016

Schattenseiten der Arbeit als Au-Pair

Buenos días,

Hallo ihr Lieben,

mit diesem Eintrag möchte ich euch das Leben eines Au-Pairs mit seinen schönen Momenten, aber vor allem auch Schwierigkeiten zum Ausdruck bringen. Denn ich glaube ich muss euch mal erzählen was Au Pair sein wirklich bedeutet.

Ich bin mir sicher, dass viele von Euch mit dem Ausdruck "Au Pair in Spanien" erstmal Sonne, Strand, Meer und warme Temperaturen in Beziehung stellen. Ehrlich gesagt kann ich das auch in erster Linie gut nachvollziehen. Wenn man von anderen Freunden oder Bekannten Fotos sieht, dann sind das natürlich auch meistens wunderschöne Urlaubsbilder. Natürlich möchte man allen zeigen wie schön es doch ist bzw. sein kann.

Aber der Schein trügt. Denn was noch alles hinter dem Ausdruck "Au Pair in Spanien" steckt, bekommen die meisten bzw. viele gar nicht mit. Es sei denn man steht persönlich in engen Kontakt. Die letzten Wochen habe ich die Erfahrung gemacht, dass die Arbeit als Au-Pair wirklich anstrengend ist und an die Nerven gehen kann.

Das liegt daran, dass man zum Einen Ersatzmama ist und alle Emotionen der Kinder abbekommt, wenn sie sauer, traurig, trotzig oder auch einfach nur müde sind, aber anderseits sind wir Au-Pairs auch ein bisschen Hausfrau, Angestellte und im nächsten Moment Familienmitglied. Diese Kombination ist unheimlich schwierig. Es gibt Tage an denen sind die Kinder von morgens bis abends schlecht gelaunt, provozieren sich gegenseitig und du kannst einfach nicht eingreifen oder sie beruhigen. Dann ist das Wetter zusätzlich noch besonders schlecht und die Hausarbeit ruft am Morgen auch noch. Wäsche aufhängen, bügeln, Baguette kaufen uns sonst fehlende Lebensmittel einkaufen sind eigentlich nur Kleinigkeiten. Doch diese Kleinigkeiten müssen natürlich in der eigenen Freizeit erledigt werden und auf Dauer kann das ganz schön viel werden.

Außerdem gibt es Situationen in denen es besonders schwierig ist Au Pair zu sein, weil man einfach nicht die Erziehung der Eltern in Frage stellen darf. Es kam in den letzten Wochen zwei bis dreimal vor, dass die Kinder "krank" zur Schule oder zu den Aktivitäten gegangen sind. Sie haben sich beispielsweise morgens noch übergeben und mussten nachmittags aber schon wieder zum Judo und Basketball. In meinen Augen sollte das nicht sein. Kinder brauchen Zeit sich zu erholen und die haben sie hier meiner Meinung nach überhaupt nicht. Des Weiteren ist es für mich unheimlich schwer anzusehen, wenn den Kindern an den Haaren gezogen wird. Es gibt Momente in denen sie überhaupt nicht hören, albern werden und sich gegenseitig weh tun oder unmöglich benehmen, dann kommt die Mama und löst die Situation durch an den Haaren ziehen. Ich find das schrecklich. Aber ich bin in Spanien und darf zu der Erziehung überhaupt nichts sagen.

Überhaupt das die Kinder so viele Aktivitäten haben und ihre Eltern kaum sehen, tut mir total leid. Das Mädchen in meiner Familie hat jetzt schon bestimmt fünf oder sechsmal in meiner gesamten Zeit gesagt, dass ihr der Dienstag am Besten in der Woche gefällt. Und woran liegt das?! Das sie da nur Theater hat und ansonsten im Park spielen kann, bis der Junge aus der Schule kommt. Außerdem gab es letzte Woche die Situation, dass ich bis halb 12 nachts mit den Kindern alleine war, weil meine Gastmama ein Treffen von ihrer Arbeit aus hatte. Die Kinder konnten beide nicht schlafen und das Mädchen fragte mich bis elf Uhr wo denn Mama bliebe. Das tut mir einfach total leid.

Die Schwierigkeit dabei ist, dass man "nur" das Au Pair ist und man solche Situtationen nicht zu nah an sich rankommen lassen darf. Abgesehen von der Erziehung gibt es noch ein paar Dinge, die es mir ehrlich gesagt ein bisschen schwer machen und die das Au Pair Leben einfach einschränken.

Wenn man für eine große Zeitspanne von Zuhause weg geht und in einem fremden Land lebt, braucht man eine total herzliche und offene Familie. Ich möchte damit nicht sagen, dass meine Familie weder lieb noch nett ist, aber es ist schwierig in einer Familie als Familienmitglied angesehen zu werden. Wir essen fast nie alle zusammen zu Abend oder zu Mittag. Meistens bin ich immer mit den Kindern zusammen und esse mit ihnen. Manchmal isst auch die Mama mit und wir unterhalten uns ganz nett. Aber es ist nicht das Familiengefühl wie man es von Zuhause kennt.

Dazu kommt, dass ich nicht einen Tag in der Woche frei habe. Auch am Wochenende arbeite ich immer. Samstag meistens von morgens bis mittags und Sonntags dann noch ab abends. Das mag nicht viel klingen und nach einem kleinen Problem aber es schränkt einfach ein, wenn man weiß man muss dann Zuhause sein. Und eigentlich steht einem Au Pair ein freier Tag in der Woche zu. Des Weiteren habe ich ja schon mal angesprochen, dass es echt blöd ist, das ich keine Au Pairs mit nach Hause nehmen darf. Dadurch kann man natürlich nur selten mal zusammen kochen oder einen entspannten Mädelsabend Zuhause machen. Das geht dann nur bei den anderen Au Pairs.

Die Gesamheit dieser "Kleinigkeiten" macht es einem als Au Pair nicht immer leicht. Ich bewundere mittlerweile wirklich jeden der Au Pair ist und das Jahr durchhält. Aber ich kann auch alle Au Pairs verstehen, die es nicht durchhalten und abbrechen, denn Au Pair sein ist anstrengender, als man es vielleicht am Anfang denkt. Ich bin auch nach Spanien geflogen mit der Einstellung das ich immer gut mit Kindern konnte, ich die Sprache sprechen kann und offen und anpassangsfähig für die neue Familie bin. Doch in der letzten Zeit hab auch ich oft darüber nachgedacht abzubrechen. 

Ich versuche mich jetzt immer an Kleinigkeiten zu erfreuen, wenn die Kinder mir nach einem Wochenende entgegen springen, weil sie mich vermisst haben und mir ein Bild gemalt haben oder ich erfreue mich an schönen Wochenenden mit den anderen Au Pairs. Und außerdem fahre ich ja bald nach Madrid und im April bekomme ich schon Besuch von Mama und meinem Bruder. 

Der Blogeintrag mag für viele von euch jetzt ziemlich negativ klingen, dass soll es auch zum Teil. Denn ich hatte das Bedürfnis mal zu schreiben, was Au Pair sein wirklich bedeutet. Durch die Medien bekommt man die Schattenseiten der Arbeit als Au Pair oft nicht so deutlich gezeigt. 

Mir geht es dennoch gut und ich werde auch definitiv versuchen durchzuhalten. Das nächste Mal schreibe ich dann wieder über die schönen Ereignisse der letzten Wochen.

Hasta luego,

Marie ♥

Samstag, 13.02.2016

Halbzeit - Wo ist die Zeit geblieben?

Buenos días, 

Hallo ihr Lieben,

heute auf den Tag genau habe ich die Hälfte meines Auslandsjahres erreicht. Ab Morgen werde ich zeitlich gesehen Deutschland immer näher sein als Spanien. Ich frage mich wirklich: "Wo ist die Zeit geblieben?" Deswegen habe ich mir überlegt mein letztes halbe Jahr bzw die letzten 5 1/2 Monate Revue passieren zu lassen. 

Mein Auslandsjahr fing ziemlich aufregend an. Ich habe direkt viele neue Leute kennengelernt und auch das Kennenlernen meiner Familie war aufregend, aber auch schwierig. Wir mussten uns erstmal richtig aneinander gewöhnen und ich hatte ziemlich schnell Heimweh.

Doch Coruña hatte die ersten paar Wochen noch richtige Sommertemperaturen, sodass ich mit den anderen Au-Pairs viel von Coruña sehen konnte und das Heimweh vergessen. Eine richtig aufregende Anfangszeit. 

Der Oktober startete gleich mit meinem Geburtstag, bei dem ich die Erfahrung machen musste, dass Spanier Geburtstage zumindest unter der Woche nicht wirklich feiern. Ich war etwas enttäuscht, aber auch die Erfahrung musste ich machen. Bei Maria (meinem Gastkind) habe ich die gleiche Erfahrung Ende Oktober dann nochmal gemacht. Wenige Tage nach meinem Geburtstag fuhr ich dann mit Carina nach Santiago de Compostela. Der bis dahin tollste und erste richtige Ausflug. Es war ein total emotionaler und wunderschöner Tag, den ich auch nicht mehr vergessen möchte. 

Im November machten wir gleich mehrere Ausflüge. Zuerst ging es nach Sada. Ein super schöner Sommertag mit Eisessen und Sightseeing. Dann ging es Mitte November mit Sabrinas Gastfamilie nach Mera zum Ferienhaus um Kiwis zu pflücken. Auch das war ein total lustiger, anstrengender aber gelungener Tag. Und dann Ende November fuhren Carina, Sabrina, Davíd und ich nach Ourense um dort noch Freunde von Davíd zu treffen und abends zu Feiern. Ein Abend der auch definitiv in Erinnerung bleiben wird. Die Atmosphäre mit Lagerfeuern, DJ und lauter Spaniern, die in Feierlaune waren, war super.

Der Dezember war ein großes Hinfiebern auf Zuhause. Doch neben der Vorfreude war es eine unheimlich schöne Weihnachtsatmosphäre. Sabrina und ich backten Kekse mit unseren Kindern und überhaupt war alles super schön geschmückt. Mit meinen Kindern war ich noch zwei Mal Churros essen und an meinem Abschied vor Weihnachten war ich froh, dass es noch keine endgültige Verabschiedung war. 

Nach unserem kleinen Urlaub Zuhause haben wir im Januar sofort wieder ganz viel erlebt. Das erste Wochenende nach unserer Rückkehr sind Sabrina, Carina, Davíd und Ich entlang der Küste zum nördlichsten Punkt Spaniens gefahren. Es waren einfach nur tolle Ausblicke. Ein wirklich wunderschöner Tag. Zwei Wochenenden später entschieden Sabrina und Ich uns dazu einfach zum Bahnhof zu fahren und dort zu entscheiden wo die Reise hingeht. Das größte Abenteuer bis jetzt. Es war das Beste was wir machen konnten und die Übernachtung in Vigo einfach das schönste Wochenende bisher.  

Der Februar fing bisher mit einem Karnevals-Urlaubswochende in Ponteceso an. Auch dieses Wochenende war sehr gelungen. Es war tatsächlich wie Urlaub. Wir haben lecker gegessen, Carneval gefeiert und hatten viel Spaß. 

Wenn ich mein letztes halbes Jahr Revue passieren lasse, ist schon wirklich viel Aufregendes passiert und plötzlich fühlt es sich doch länger an hier zu sein als ich eigentlich hier bin. 
Und es wird noch Vieles passieren:

Ich habe meinen Urlaub in Madrid gebucht. Das ist das nächste Ziel für eine unvegessliche Zeit. Vom 24.03. - 27.03. bin ich dort. Eine bestimmt und hoffentlich aufregende Zeit. Ich freue mich jetzt schon riesig darauf.
Im April bekomme ich dann Besuch von meiner Mama und meinem Bruder in Coruña. Auch das kann ich nicht mehr abwarten. Und außerdem ist noch ein Wochenende oder eine Übernachtung in Portugal geplant, die Besichtigung des Wasserfalls in Èzaro und in Vigo und ein Wochenende in Pontevedra. 

HAUPTSACHE GANZ VIEL ERLEBEN!! Unser großer Plan für das nächste halbe Jahr. 

Jetzt habt ihr alle nochmal einen kleinen Eindruck was ich schon so alles erlebt habe und was noch bevorsteht. smile

Hasta luego,

Marie ♥

 

 

Dienstag, 09.02.2016

Carnaval en Ponteceso

Buenos días,

Hallo ihr Lieben,

man könnte meinen ich hätte ständig Ferien und wäre nur unterwegs. Das letzte Mal schrieb ich über den Kurzurlaub in Vigo und dieses Mal über Ferien in Ponteceso. Aber so ist es nicht. Ich habe die letzten zwei Wochen sehr viel arbeiten müssen und die Mama und Papa Rolle übernommen. Mein Gastopa wurde operiert und meine Gasteltern waren daher abwechselnd bei ihm oder arbeiten. Und ich bei den Kindern. Das war wirklich nicht immer leicht und ich hatte zwischendurch wirklich Tage an denen ich dachte, ich kann nicht mehr. Ich war nie Mama und musste jetzt direkt beide Elternteile für die Kinder sein. 

Daher hatten wir uns alle unseren Urlaub wirklich verdient! Zusammen mit meiner Gastfamilie und Sabrina bin ich Samstag nach Ponteceso gefahren zu der Wohnung des Opas. Dort haben Sabrina und ich von Samstag bis Montag geschlafen. Meine Gastfamilie kommt erst Mittwoch wieder. 

Auf dem Weg dorthin wurden uns ganz viele kleine Dörfer gezeigt und sind wir sind die ganze Zeit am Meer entlang gefahren. Bei dem Opa hatten Sabrina und ich dann eine eigene Etage für uns. 

Samstagnachmittag haben wir uns dann zu zweit die Stadt angeguckt. Man muss dazu sagen, dass man in 20 min auch schon wieder alles gesehen hat. Es ist wirklich ein Dorf. 

Nachdem wir abends bei der Oma in Langueirón gegessen haben, haben wir uns verkleidet und das Nachtleben kennengelernt. Es war eine total lustige Karnevalsnacht mit lauter verkleideten und durchgeknallten Leuten. Die Stimmung war einfach nur super. Doch auf deutsche Lieder stehen die Spanier scheinbar so gar nicht. Wir hatten uns in einer Bar das "Fliegerlied" gewünscht und dazu animiert, aber dieses wurde nach einer halben Minute schon wieder abgebrochen. 

Sonntag haben wir dann alle bei der Oma zu Mittag gegessen. Zum Anlass des Tages "Auroras Geburtstag" gab es Pulpo a la gallega (Tintenfisch gallegischer Art), dass heißt Tintenfisch gewürzt mit Paprikapulver und Zwiebeln in Olivenöl/Wasser. Ein super leckeres Mittagessen. 
Am Nachmittag sind Sabrina und ich mit den Kindern dann verkleidet zu einem Fest in Ponteceso. 

Und gestern ging es dann am Abend wieder zurück nach Coruña. Jetzt habe ich hier noch bis Morgen Kinder-freie-Zeit und weiterhin Zeit für Entspannung.

Die Ferien in Ponteceso waren wirklich wunderschön. Unter den Spaniern und auch in dem Haus der Oma fühlt man sich wie Zuhause. Wir durfen uns an allem Bedienen und es wurde immer gefragt, ob wir noch etwas brauchen. Auch meine Gastfamilie war super lieb. Nachts um vier  Uhr als wir vom Feiern wieder zurück kamen, machte meine Gastmama uns noch die Tür auf und schien richtig glücklich zu sein, dass wir wieder zurück waren. Außerdem brauchte ich mich in der Zeit überhaupt nicht um die Kinder kümmern. Wir konnten ausschlafen und wirklich selbst entscheiden, was wir machen wollten. 

Ein wirklich rund um gelungenes Wochenende!  

Hasta luego, 

Marie ♥